Wilde Wirren – Nutze jetzt den Rückhalt deiner Ahnen

von Jennie Appel

Die Welt befindet sich momentan in einem absoluten Ausnahmezustand und darüber wird derzeit sehr viel berichtet – in alle möglichen Gedankenrichtungen hinein. In diesen wilden Wirren ist es absolut hilfreich, sich auf die Wurzeln besinnen, die uns in jeglichen Wirren standhalten lassen und uns die Zuversicht schenken, auch die Äste weiterhin auszustrecken.

Dein Lebensbaum wächst weiter – auch jetzt

Wenn ich an den Boden denke, in dem wir im Geborgenheit schenkenden Erdreich einwurzeln können, und wie die generelle Umarmung von Mutter Natur bei jedem Spaziergang für mich vorhanden ist, so ergänzen den „bereiteten Boden“ weitere Teile. Für mich kommt hier zusammen, wie sich mein eigenes Leben entwickelt hat, welche Entscheidungen ich bisher getroffen habe und welche Taten daraus erfolgten – wie ich also bisher „meinen Acker bestellt habe“ – und ebenso, was mir dafür an Erde mitgegeben wurde. Wenn wir wissen wollen, wer wir wirklich sind und woher wir kommen, so ist das Bild nur vollständig mit einem Blick in unsere Vergangenheit und in die Linie, aus der wir stammen. Unsere Ahnen sind uns vorausgegangen und haben auf ihre Weise den Weg für uns bereitet und das Geschenk des Lebens an uns weitergereicht.

Wie immer sie auch waren oder wie unsichtbar sie sich für uns anfühlen, weil man vielleicht nie von ihnen gesprochen hat oder sie zu früh verstarben und irgendwie fremd sein mögen – sie machen einen Teil unserer Wurzeln aus.

Über diese Wurzeln wurden auch Emotionen, Erlebnisse, ggf. gespeichertes Trauma ebenso wie die Kreativität in herausfordernden Lebensumständen an uns weitergereicht. Die Epigenetik ist da bereits einen großen Schritt weiter und so wird dies glücklicherweise nicht (mehr) als esoterische Spielerei abgetan. Wenn Familienbande zerbrechen oder nur aufgrund von moralischen Verpflichtungen bestehen, macht es etwas mit uns. Dennoch bleiben energetisch Bande bestehen und versorgen uns weiterhin mit den genannten Informationen. Wenn wir hier Klarheit hineinbringen, so wirkt sich das äußerst hilfreich auf unser Wurzel-Wachstum tief im Reich der Mutter Erde aus.

Wenn wir uns unserer bekannten und unbekannten Ahnen erinnern, sie um Rückhalt und Stärke in diesen Zeiten bitten, entsteht ein Gefühl des Eingebundenseins in einen größeren Kreis – vielleicht sogar in ein Großes Ganzes, wenn wir es schaffen, den Blick auf alle Menschen auszuweiten und darüber hinaus auf alle anderen Geschöpfe der Erde, sei es aus Pflanzen- oder Tierreichen – so werden wir uns in diesem Kreis wieder unseres sicheren Platzes gewahr, wurzeln mit unserem Lebensbaum tief in der Erde ein und strecken unsere Äste weit in den Himmel und die Zukunft aus. Eine Verbindung zu den Ahnen aus längst vergangenen Tagen ist ein erster Schritt zur Verbindung mit allem, was lebt.

„Wer um die Wurzeln seines Lebens weiß, kann seinen Gedanken, Worten und Werken Flügel
verleihen.“ – Ernst Ferstl

Seit einigen Wochen befinden wir uns im „Lockdown“ und in dieser Zeit sind mir die Erinnerungen an meine Ahnen ganz nah, ebenso wie die Energie, die ich gerade als Rückhalt erlebe. Als wir Kinder waren, haben meine Eltern mir erzählt, wie es damals nach dem Krieg war, als sie kein Geld für Essen hatten und nachts im Schutz der Dunkelheit mit ihren Eltern und Geschwistern zusammen Kartoffeln auf den Feldern ausgruben oder im Wald Tannenzapfen zum Befeuern sammelten. Wir dachten zunächst, sie erzählen uns eine Art Witz, legen uns rein oder übertreiben – wir konnten uns das als Kinder nicht vorstellen, dass unsere Eltern so aufgewachsen sein sollten.

Aufgrund der jüngsten Ereignisse kommen mir diese Erzählungen wieder in den Sinn und ich spüre dadurch eine tiefe Ruhe
und Sicherheit. Warum? Abgesehen von der Tatsache, dass die Supermärkte derzeit noch so viel mehr hergeben, als zu damaligen Zeiten, erkenne ich die große Kreativität, die in den Menschen erwacht, wenn sie durch eine Krise gefordert ist. Unsere Ahnen mussten sich zu allen Zeiten etwas einfallen lassen, um zu überleben. Hätten sie versagt, würde es uns heute nicht geben. Wir alle, die wir „Nachkriegsgenerationen“ sind, verfügen über viel weniger Wissen und vor allem Erfahrung, wie mit solchen riesigen Herausforderungen umzugehen ist: Knappheit im Supermarkt, soziale Einschränkungen, Freiheitsbeschneidungen und Co. In unseren Genen befindet sich also eine lebendige Fülle von hilfreichen Informationen… Daher lohnt es sich gerade jetzt, hinzuschauen, zu sortieren und auch festzuhalten, was sich gerade zeigen mag.

Heilsames Journaling

Auch, wenn zuhause vielleicht die Kinder um dich herumspringen, du dennoch dort homeoffice machen musst und dein*e Partner*in ebenso – sich die Zeit für eine Innenschau und ein Journaling zu nehmen, war vermutlich nie wichtiger. Gerade jetzt, wo wir „zusammengepfercht“ und aufs Wesentliche reduziert leben, kann eben auch dieses Wesentliche aufscheinen und zwar in all seinem Glanz!

Dadurch wirft es Licht auf unseren weiteren Weg und führt uns ganz und gar zu uns selbst zurück. Vielleicht war es vorher ja doch an manchen Stellen einfach zu schnell, zu vollgepackt, zu fordernd…? Das gute alte Tagebuchschreiben kann derzeit ein besonders wertvoller Ratgeber und Freund sein. Wenn du magst, nutze die folgenden Impulsfragen in diesen Tagen für dein Journaling oder als Inspiration für dein freies Schreiben:

  • Was sind die Wurzeln, die mir Kraft schenken und mich wachsen lassen?
  • Wo und zu wem empfinde ich Zugehörigkeit (selbst jetzt, wo wir einander nicht besuchen können)?
  • Woher komme ich? Was ist mein Ursprung?
  • Wohin möchte ich meine Äste ausstrecken, mich ausdehnen? In welche Richtung mag ich
    weiterwachsen?
  • Welche Herausforderungen habe ich bereits wundervoll gemeistert?
  • Wo/in welchen Bereichen spüre ich (trotz allem) Halt und Festigkeit, Bestand, Verlass?
  • Worauf kann ich bauen?
  • Wer bin ich, wenn alles wegfällt?
  • Wo stehe ich wirklich?

Gib dir selbst genügend Raum und Zeit, diesen Fragen nachzuspüren und sämtliche Assoziationen, aufkommenden Erinnerungen und Erlebnisse festzuhalten, die in dir aufkommen. Du wirst dabei würdigen, woher du kommst, wohin die Reise tief aus deinem Herzen gerne weitergehen mag und was dir dabei Kraft und Stabilität schenkt. All das kann dir in diesen Zeiten äußerst hilfreich sein.
Zudem wirst du erkennen, was du schon alles gemeistert hast und auf welchen Schatz du dabei zurückgreifst.

Alte Rituale für unsere Zeit?!

2018 verbrachte ich ein paar Wochen im Zuhause einer alteingesessenen Schamanenfamilie in Nepal, um zu lernen und meinen Horizont zu erweitern. Es ist das einzige Land der Welt mit einer komplett ungebrochenen schamanischen Tradition, die niemals verfolgt wurde. Jeden Morgen zum Sonnenaufgang hörte ich die Glöckchen, die immer im gleichen Ablauf an den verschiedenen Ahnenplätzen und Altären im Garten bzw. Hof geläutet wurden. Ich stand auf, ging hinaus auf den Balkon und beobachtete das Klingeln, Räuchern, Gaben ablegen… den täglichen Ritus.

Die Würdigung der Ahnen ist dort ein nicht wegzudenkender Teil des Alltags. Kletterte ich aufs Dach, konnte ich im Morgengrauen in allen Vorhöfen Menschen mit Räucherwerk, Blumen, Feuer und Glöckchen sehen und hören. Es hat mich sehr bewegt, wie selbstverständlich dieser Tagesbeginn dort ist und wieviel Kraft aus einer ungebrochenen Linie entstehen kann.

Wilde Wirren

Unsere Linien, Traditionen und Familiengeschehnisse mögen gebrochen sein, doch es ist niemals zu spät, wieder Licht und Herzenswärme hineinzugeben – selbst ins Unbekannte, aus dem wir stammen. Lassen wir uns davon inspirieren und finden wir aus diesem Alten etwas, das in die Moderne durchaus leicht übertragbar ist, so können wir uns daran kraftvoll anbinden. Gerade jetzt, wo alles wegzubrechen scheint, lohnt es sich sehr…
Es ist der perfekte Zeitpunkt, um auf das zurückzugreifen, was Bestand hat und uns dafür auch von der Natur inspirieren zu lassen.

Dein tägliches Ritual – der Ahnenplatz

Wähle eine Kerze aus, die für dich passend erscheint und suche dir in deinem Zuhause einen stimmigen Ort (gern auch im Garten, wenn du hast). Hier kann ganz schlicht „nur“ deine Kerze sein und ein schöner Kerzenhalter oder ein Deckchen
darunter. Natürlich kannst du es auch mit Bildern (deiner Ahnen), Figuren, passender Deko beliebig
ausschmücken.

Widme diesen Platz deinen Ahnen und gestalte ihn im Einklang mit deinem eigenen Wesen würdevoll. Entzünde dort deine Kerze und halte sie einige Momente in deinen Händen. Sprich ein Gebet an deine Ahnen, bitte sie um ihren Rückhalt und die Inspiration aus ihren Erfahrungen mit großen Herausforderungen, um Kreativität, um ihren Beistand an deiner Seite… was immer DU dir wünschst.
Sollte dir zunächst so gar nichts einfallen, versuche es gern einmal mit den Zeilen aus unserem Buch
„Ahnenreise“: „Meine Ahnen nah und fern Schenkt mir heute eure Kraft und eure Weisheit, damit ich meinen Weg nicht alleine gehen muss.“

Halte einige Momente still inne und spüre dem nach.
Wie fühlt sich das an?

Gern nutze den Moment auch für eine innige Zwiesprache, in der all deine Gedanken und Gefühle Platz finden dürfen – auch dein Klagen, Schimpfen, Verzweifeln oder Weinen, deine Angst ebenso wie deine Dankbarkeit und Freude. Je nachdem, wie dein Tag heute sein mag. Bitte erneut darum, ihren Rückhalt spüren zu dürfen, damit dein Urvertrauen wachsen kann.
Spüre dem nach und atme es tief in dich hinein. Beende diese Zwiesprache sowie dein Rückverbinden in deiner Zeit, wann immer du ausreichend Kraft gespürt und geatmet hast.

Dann lösche gern das Licht wieder und widme dich deinen Aufgaben (oder wann immer der Impuls
zum Löschen im Tagesverlauf kommt).
Mache dies jeden Morgen.
Entzünde deine Ahnenkerze. Gern lege auch eine Blüte oder eine kleine Gabe dort ab, lade die Ahnen
und ihre Kräfte ein, sprich mit ihnen, spüre dem nach, bedanke dich und lösche deine Kerze wieder.
Jeden Morgen, als Start in einen verwurzelten Tag voller Rückhalt.

Deine ureigene Weise für deinen ganz persönlichen Alltag

Im Fitnessstudio wirst du nicht durch einmal Gewichtheben Muskelberge auftürmen (auch, wenn das echt toll wäre), und ebenso kann dieser Ahnen-Muskel auch mal ein wenig Zeit brauchen, um auf das spirituelle „Training“ anzuspringen. Kontinuierlich und doch undogmatisch nähere dich deiner ureigenen Version der täglichen Praxis damit. Wenn es dir liegt, deine Gebete mit dem Rauch zu den Ahnen zu senden, so hilft dir möglicherweise ein Räucherstäbchen sehr. Für andere mag es das Lieblingslied der heißgeliebten Omi sein. Sorge für eine Atmosphäre, die es dir leicht macht. Gib dem
Ritual soviel Raum und Zeit, wie es (derzeit) in deinem Leben möglich ist. Ein kurzes Gebet hat im Grunde immer Platz! Und daher ist es einfach in den Alltag einbaubar – am besten gleich morgens in aller Frühe.

Ich hoffe, diese Zeilen konnten dir eine Inspiration sein und bringen etwas Licht und Stärke inmitten der wilden Wirren unserer „Corona-Zeit“ zurück! Und wenn du es irgendwann weit nach den Corona-Lockdowns liest: so eine Ahnen-Wertschätzung ist immer up to date. Ich wünsche dir, dass du deine Wurzeln kraftvoll spüren kannst und dich hier auf dieser Erde und inmitten deines Lebens ganz geborgen fühlst. Auch und gerade JETZT.

Wenn du Lust hast, tiefer mit deinen Ahnen in Kontakt zu kommen, dich mit der Welt und all ihren
Wundern wieder mehr zu verbinden – von denen eines ganz sicher DU selbst bist – und dabei deine
Kreativität zu befeuern und deinen ureigenen Weg zu genießen, lege ich dir unser gemeinsames
Herzensprojekt „Ahnenreise“ ans Herz!

Wenn du kleine Verlage unterstützen magst, bestelle derzeit direkt bei ihnen oder im Buchhandelin deiner Nähe! Unser Buch-CD-Set „Ahnenreise – Schamanisch-Meditative Wege zu unserenWurzeln“ kannst du hier direkt bestellen.

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