Spiritual Bypassing. Wieso sich Angst nicht wegmeditieren lässt.

von Christina Waschkies
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Ich saß in den letzten Tagen wie ein absoluter Anfänger vor meiner täglichen Dankbarkeitsliste und ich schrieb mechanisch Dinge auf, für die ich dankbar sein SOLLTE. Die ich aber im Moment NICHT FÜHLE. Ich habe gerade keinen Kontakt zu meinem höchsten Selbst. Ich fürchte um mein Leben, wie es bisher war.

Wir sind alle in einem Schockzustand. Auf Facebook haben die ersten ein cleveres Business daraus gestrickt und ich bewundere sie für ihre Handlungsfähigkeit. Aber die meisten von uns befinden sich in der Paralyse.

 

Ich konnte mir und meinem Dankbarkeitsgeseiher in den letzten Tagen nicht so richtig Glauben schenken.

Meine Meditation klappt nicht mehr. Ich denke und denke und denke im Kreis, und die Angst hat mich im Nacken gepackt.

Der erste Impuls für Angst entsteht in deinem Reptilienhirn. Dieser Teil deines Gehirns ist jahrtausende Jahre alt und dafür zuständig, dass du sicher bist. Es reguliert deinen inneren Zustand und gibt den Reflex von „entspannt“ bis hin zu „bereit zu kämpfen oder fliehen“ Es ist der Teil deines Gehirns, der aufpasst, dass du überlebst und du SOFORT reagieren kannst.

Die nächste Station der Angst ist dein limbisches System, wo die dazugehörige Emotion produziert wird. Sorge, Neugier, Motivation, Zuversicht – all diese Emotionen werden im emotionalen Zentrum produziert.

Dann kommt der Neo Cortex hinzu – hier findet Logik und Ratio statt. Der Teil deines Gehirns, der die ganze Zeit debattiert, ob das was hier passiert jetzt ok ist oder nicht. Der dir hilft, Pläne zu machen und die Gefühle durch höhergestelltes Denken wieder runter zu regulieren.

Diese drei Teile deines Gehirns machen dein inneres Erleben von dir selbst aus. Das, was du gerade in diesem Moment an inneren Gefühlen hast, ist das Konstrukt dieser drei Teile deines Gehirns.

 

Wieso du absolut richtig damit liegst, Angst zu haben.

Wir alle erleben gerade eine wahre Bedrohung unserer persönlichen Rechte, unserer Sicherheit, unserer Existenz in diesem Universum und eine absoluten Ahnungslosigkeit, die SELBSTVERSTÄNDLICH ANGST MACHT.

Und während ich ein wirklich grund positiver Mensch bin und aus jeder noch so prekären Lage meines Lebens einen Ausweg gefunden habe, funktioniert es für mich nicht, die Angst wegzuspiritualisieren. Sie wegzumeditieren.

Wenn du in diesen Zeiten keine Angst hast, wann dann? Dein Leben ist massiv eingeschränkt, und du hast keine Ahnung für wie lange.

Du brauchst einen Weg, um die Angst anzugucken – und dieser Weg ist nicht Meditation. Meditation ist erst der zweite Schritt. Aber erst mal muss die Angst gesehen werden.

Denn Angst ist ein Zustand, der im Körper gespeichert wird. Wenn wir Angst übergehen, sie ignorieren und uns einreden, wir müssten nur hart genug beten und uns immer wieder einreden, dass die Liebe gewinnt, dann wird die Angst sich davon nicht auflösen. Sie wird sich verselbstständigen und sich in deinem emotional/energetischen System festsetzen.

Deine Angst will gefühlt werden. Sie manifestiert sich sonst in deinem Körper als ein kleines Puzzleteil von gefrorener Energie. Ein Klumpen nicht gefühltes Gefühl, das seinen Weg nicht wieder in den Flow findet. Ein kleiner Teil, der sich abgespalten hat und von jetzt an unintegriert in deinem Körper unterwegs ist. Wenn du dich mit Embodiment und Traumatherapie beschäftigt hast, dann weißt du, wovon ich spreche.

Wieso du Angst erst mal fühlen musst, bevor du wieder mit deinem höchsten Selbst donnerten kannst

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Was können wir also tun um Angst zu integrieren?

  • Sie FÜHLEN und sie nicht wegrationalisieren oder wegmeditieren. Spüre in die Angst hinein. Wo sitzt sie? Wie fühlt sie sich an? Atme sie. Fühle sie. Und bleibe mit dem Gefühl für ein paar Minuten, bis du das Gefühl hast, sie wird weicher oder löst sich sogar auf.​
  • Du kannst deine Angst tanzen. Rausbewegen. Auf allen vieren oder im Stehen oder sogar im Liegen. Und nein, du sollst nicht deine schönste Berghain um 8 Uhr morgens am Sonntag Performance abliefern. Du sollst bewegen, was dein Körper bewegen will. Es SOLL ungelenk aussehen. Du darfst so bescheuert sein, wie du magst. Beweg die Angst raus.​ Mach dir Musik an. Pfeife auf Ästhetik und leg los!​
  • Schreib auf, was dir Angst macht. Jeden Tag. Ich habe Angst, dass ich für ein paar Wochen nicht aus dem Haus darf. Ich habe Angst, dass ich meinen Job los bin. Ich habe Angst, dass mein Business ruiniert ist, wenn alles vorbei ist. Ich habe Angst, dass meine Eltern krank werden. Schreib das alles auf. Denn dann gehst du den ersten Schritt, um die Energie von der Angst aus deinem System rauszubeugen.

Und wenn du das alles gemacht hast, dann meditiere, verbinde dich mit deinem Vertrauen, mit deinem tiefen inneren Wissen dass alles, alles, alles gut ist und wird. Aber lass deine Angst einen Moment da sein. Lass ihr ihren Raum, denn sie ist berechtigt. 

Lovelove,

Christina

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