Santosha – die Zufriedenheit – nach Patanjali

von Julie Meyer Christian
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Nach Patanjalis Yoga Sutra „Om Namah Shivaya! Hier spricht Deine persönliche Erleuchtungshotline. Alle unsere Lichtarbeiter sind momentan in Lebensberatungsgesprächen. Bitte übe Dich in Geduld, bis eine Leitung für Dich frei geworden ist und wir verbinden Dich dann umgehend. Jede angefange Sekunde kostet nur 1,08 Karmapunkte…“

Aahhhh!! Fürchterlicher Traum letztens. Hu. Ha. Abschütteln.

Warten. Ist scheinbar ein Thema was karmisch an mir zu kleben scheint.

Als ich klein war, wartete ich auf die nächste Schulpause, auf die Ferien, auf den Bus, auf meinen Geburtstag. Als ich älter wurde wartete ich auf Jobzusagen, mehr Urlaub, interessantere Männer. Ich fand mich wartend auf die Geburt meiner Tochter (10 Tage übertragen), auf einen Kitaplatz, wartend auf nettere Eltern von Kindern in der Grundschule. Das Warten auf den Sommer ist seit einigen Jahren dazu gekommen.

Und heute warte ich häufig an der falschen Supermarktkasse. Da wo der Stornoschlüssel gesucht und nicht gefunden wird und oft auch dort, wo Kassen- oder Papierrollenwechsel in Neuentdeckung der Langsamkeit ritualisiert werden. Irgendeine Frauenzeitschrift riet mir mal, dass ich die Wartezeit an der Kasse doch nutzen solle, z.B. Beckenbodenübungen, mit Mini Meditationen oder Atemübungen (Pranayama). Äh. Ja. Mit stoisch geschlossenen Augen und hörbar schnaufend wurde die Wartezeit auch nicht kürzer, aber dafür die Blicke meiner Mitmenschen eindringlicher und irritierter. Singen, tanzen und Menschen stalkermäßig anstarren habe ich ausdrücklich von meiner vorpubertären Tochter verboten bekommen („Das ist tierisch peinlich, Mama!!“).

Da bleibt nicht mehr viel Buntes übrig, an so einer langen Supermarktkassenschlange. Und so mache ich gar nichts mehr. Ich stehe einfach nur an der Kasse und warte, bis ich irgendwann an der Reihe bin, zu bezahlen.

Patanjali schreibt in den Sutras 11.42 über Santosha, die Zufriedenheit und das wir über Zufriedenheit lernen, glücklich zu werden.

Zufriedenheit ist immer dynamisch, im Gegensatz zur Bequemlichkeit, die stagnierend ist und auch gern bleibt. Das heißt, wir können unser normales, ganz alltägliches Leben auf Dinge scannen, die nicht laufen, die uns nicht gut tun (Beziehungen, Situationen…) und uns neu ordnen und ausbalancieren. Mal Aktivismus an den Tag legen, Dinge zu ändern, die nicht funktionieren. Machen wir ja sonst auch. Die Glühbirne, pardon die tolle neue Energiesparlampe, die kaputt ist, wechseln wir aus, Gemüse, das schlecht geworden ist, kommt auf den Kompost, Klamotten, die zu klein oder aus der Mode geraten sind, werden verschenkt oder zum Recycling gebracht – in diesen Bereichen sind wir das also schon gewohnt aufzuräumen, heißt eigentlich nur, den Bereich ein wenig auszuweiten. Es regt uns an Zufriedenheit im Alltag zu kultivieren, dankbarer zu sein, für das was wir haben und für die kleinen Dinge, die wir so gern übersehen.

Und so kann ich dann doch heimlich das neue Augenbrauenpiercing meines Lieblingskassierers Helmut bestaunen und mich gleichzeitig freuen, dafür Zeit zu haben. Denn ansonsten hätte ich auch niemals gewusst, dass es so winzige regenbogenfarbene Drachen gibt, die man durch eine Augenbraue pieksen kann. Und das bringt mich wiederum dazu, zufrieden vor mich hinzugrinsen. Bis meine Tochter mich dabei erwischt und mir in die Rippen bohrt. „Mamaaaaa!! Hör auf! Das ist voll peinlich!“.

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Rückbeugen im Yoga - aber sicher und Rückenschonend! 15. Juni 2013 - 9:47

[…] darum eine Position perfekt zu meistern. Es geht darum das anzunehmen, was ist, zufrieden zu sein (Santosha). Und wenn das auf der Matte funktioniert ist die Chance auch gar nicht so klein, dass es auch im […]

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Nicole 10. Juni 2013 - 9:47

Herrlich gelacht und ich erkenne mich voll wieder

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