Resilienz stärken – 7 Tipps, um durch Berührung deine Seele gesund zu halten

von Tobias Frank

1,50 Meter. Auf diese Länge ist die eigene Schutzzone in Corona-Zeiten gewachsen.

Social Distancing mag zwar eine effektive Möglichkeit sein, um uns vor Virus-Infektionen zu schützen. Doch leider hat das Abstand-Halten eine entscheidende Nebenwirkung: Die Seele leidet.

Es macht etwas mit uns, wenn wir Menschen, die uns lieb sind, nicht nah sein können. Es beeinflusst unsere Stimmung, wenn geliebte soziale Aktivitäten wegfallen. Und es macht etwas mit unserem Gefühlszustand, wenn unsere Haut weniger Berührung bekommt als sonst.

In diesem Artikel erfährst du, warum Berührungsmangel eine echte Gefahr für deine seelische Gesundheit ist und bekommst 7 Ideen, was du dagegen tun kannst.

Berührung ist durch nichts zu ersetzen

Stell dir vor du hast eine wunderschöne Pflanze, die du in deinem Garten wachsen lassen möchtest. Du gießt diese Pflanze täglich und du gibst ihr den besten Dünger. Doch leider steht diese Pflanze an einem Platz, an dem sie kein Sonnenlicht bekommt. Dann wird sie auf Dauer eingehen.

Genau das gleiche würde passieren, wenn sie zwar Licht und Wasser bekäme, aber auf kargem felsigem Boden, der den Wurzeln nicht genug Nahrung bieten würde. Oder wenn du auf einmal das Wasser weglässt.

Was Erde, Wasser und Licht für die Pflanze ist, ist Berührung für die menschliche Seele. Berührung ist durch nichts zu ersetzen! Genauso wie unser physischer Körper Essen und Trinken braucht, braucht unsere Seele liebevolle Berührung. Wir können nicht ohne sie leben.

Das beweist das unmenschliche Experiment Friedrich dem II: Der Stauferkönig kam im 17 Jahrhundert auf die Idee, Kinder ohne elterliche Fürsorge großziehen zu lassen. Obwohl diese von den Ammen ausreichend Nahrung bekamen, führte der Mangel an liebevoller Berührung schließlich zu ihrem Tod.

Resilienz – dein seelisches Immunsystem

Um im Bild der Pflanze zu bleiben: Nicht alle Pflanzen sind gleich. Es gibt welche, die unter widrigsten Bedingungen wachsen und blühen können – sei es in der Wüste, in großer Höhe, extremer Kälte oder nährstoffarmen Boden. Diese Pflanzen sind besonders widerstandsfähig, das heißt resilient.

Resilienz ist das Immunsystem deiner Seele. Es ist Deine Fähigkeit mit Schicksalsschlägen umzugehen wie beispielsweise dem Verlust des Arbeitsplatzes, eine Trennung nach einer nachjährigen Beziehung oder dem Tod eines geliebten Menschen. Doch was führt dazu, dass sich manche Betroffene bereits nach kurzer Zeit wieder am Leben freuen können, während andere an einer Depression erkranken?

Eine der wichtigsten Faktoren wie Forscher herausgefunden haben ist achtsame Berührung: Vielleicht kannst du dich noch daran erinnern, wie du als Kind durch eine liebevolle Berührung von deiner Mutter getröstet wurdest? Oder wie du einer Freundin, der es nicht gut ging, eine Umarmung geschenkt hast? Oder wie du die Hand eines kranken Menschen gehalten hast?

Berührung ist deshalb so heilsam, weil sie uns an die erste Berührung erinnert, die wir von unserer Mutter erhalten haben. Dieses Wissen ist tief in unseren Zellen gespeichert. Denn Vertrauen und Sicherheit ist etwas, was wir nur fühlen können und uns nicht „erdenken“.

Empfangen wir liebevolle Berührung, beginnt unser Körper heilsame Hormone auszuschütten: Oxytocin ist eine Ruhe- und Bindungshormon. Es wirkt beruhigend, indem es das Stress-Hormon Kortisol reguliert. Außerdem werden sowohl körperliche als auch seelische Schmerzen als weniger stark empfunden.

Die Ausschüttung von Glückshormonen wie Endorphin und Serotonin bessert unsere Laune schlagartig. Deshalb ist achtsame Berührung laut Studien dazu geeignet, um Depressionen zu lindern – ein wirksames Heilmittel, was nichts kostet und keinerlei Nebenwirkungen hat.

Doch umgekehrt heißt das auch: Wenn wir weniger Berührung als sonst bekommen, wird die Laune schlechter und der Stress-Pegel steigt. Vielen Menschen in der Corona-Zeit ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass Ängste und Unsicherheit natürlich reale Ursachen haben, zum Teil jedoch alleine durch Berührungsmangel zustande kommen können.

7 Tipps, um durch Berührung deine Seele gesund zu halten

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Doch was kannst Du nun tun? Dazu sieben Ideen:

  1. Selbstmassage – dich durch deine eigenen Hände nähren

Die gute Nachricht: Liebevolle Berührung nicht nur etwas, was Du durch die Hände eines anderen Menschen erfahren kannst. Du kannst sie Dir auch selbst schenken. Das Thema „Selbstliebe“ ist in jüngster Zeit viel gesagt und geschrieben worden. Doch ähnlich wie bei anderen Themen wie Dankbarkeit oder Achtsamkeit reicht es nicht aus, darüber zu lesen oder zu reden. Wichtiger ist das Tun.

Selbstmassage kann zu einem ganz praktischen Ritual der Selbstliebe werden. In diesem Video teile ich eine 15 minütige Selbstmassage-Sequenz, die du bequem zuhause üben kannst. Sie besteht hauptsächlich aus Klopf- und Streichbewegungen und du kannst sie ohne Öl am bekleideten Körper ausführen. Manchmal entscheide ich mich auch für die ayurvedische Variante mit Öl, für die du hier eine ausführliche Anleitung findest.

  1. Lange Umarmungen

Eine lange Umarmung ist vielleicht eines der einfachsten Mittel, um liebevolle Berührung zu schenken. Von der bekannten Familientherapeutin Virgina Satir stammt das Zitat: „Wir benötigen pro Tag vier Umarmungen zum Überleben. Wir benötigen pro Tag acht Umarmungen zum Leben. Wir benötigen pro Tag zwölf Umarmungen zum Wachstum.“

Ich mag die Idee dahinter, wobei es meiner Meinung nach mehr auf Qualität statt auf Quantität ankommt. Eine einzige achtsame und lang gehaltene Umarmung kann uns für den ganzen Tag lang energetisieren.

Eine bewusste lange Umarmung ist besser als flüchtige Alltagsberührung – ein routinemäßiger Gute-Nacht-Kuss hier oder eine kurze Umarmung vor dem Weg zur Arbeit. Deshalb möchte ich dich dazu einladen, statt Routine-Berührungen bewusst zu umarmen. Lange Umarmungen sind deshalb so heilsam, weil der Körper erst nach 20–30 Sekunden beginnt, Oxytocin auszuschütten.

  1. Tanzen

Wann hast du das letzte Mal deine Partnerin oder deinen Partner zu einem Tanz aufgefordert? Tanzen ist eine wunderbare Möglichkeit, dich über Rhythmus und Berührung mit einem anderen Menschen zu synchronisieren. Das muss kein langweiliger Standardtanz sein und darf auch gerne wild, frei und kreativ sein. Gemeinsam zu tanzen kann eine schöne Alternative zum Fernsehen sein und ganz nebenbei freuen sich eure Körper über Nähe und Berührung.

  1. Ein Haustier streicheln

Hast du ein Haustier, das du streicheln kannst? Auch dabei kannst du in den Genuss der heilsamen Kraft der Berührung kommen. Ich bin sehr dankbar für unsere Katze Lilith. Ihr Schnurren entspannt mich und ich liebe es, sie zu streicheln, während sie auf meinem Schoss sitzt oder sich manchmal nachts an mich ankuschelt.

  1. Gegenseitig eine Massage schenken

Du brauchst nicht unbedingt eine professionelle Massage-Ausbildung, um anderen Menschen liebevolle Berührung zu schenken. Es ist einfacher als du denkst. Wichtig ist, dass du langsam und achtsam und mit dem Herzen dabei bist. Wenn Du Inspirationen suchst, bekommst du hier gratis verschiedene Thai Yoga Übungsvideos. Das Schöne an Thai Yoga ist, dass Du keinerlei Hilfsmittel brauchst und diese Form von passivem Yoga auch am bekleideten Körper ausführen kannst.

  1. Eine Massage buchen

Warum nicht dich selbst beschenken und eine professionelle Massage buchen? Um eine Session zu bekommen, die dir wirklich gut tut, würde ich dir empfehlen, dich vorab über die unterschiedlichen Massage-Arten zu informieren. Soll es sanft oder intensiv sein, mit oder ohne Öl? Wenn du jemand gefunden hast, würde ich dir raten für ein unverbindliches Vorgespräch anzurufen. Deine Intuition wird dir schnell sagen, ob du dich bei ihm oder ihr in den richtigen Händen fühlst. Vertrauen ist wichtig – schließlich geht es um deinen Körper. Und keine Angst, während der Corona-Zeit gelten strenge Hygiene-Auflagen, die die Anbieter erfüllen müssen, um ihre Kunden zu schützen.

  1. Achtsame Selbstwahrnehmung

Der Alltag schenkt dir Dutzende Gelegenheiten, dich selbst zu spüren. Es muss nicht immer eine vollständige Massage sein. Du kannst beispielsweise barfuß über eine Wiese gehen oder ein warmes Bad genießen. All das bringt dich in diesen Moment und hilft dir, den Kopf zur Ruhe kommen zu lassen.

Persönlich mag ich es, besonders direkt nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen, meine Hände aufs Herz zu legen und mir Zeit zum Spüren zu nehmen. Nicht geistig analysieren oder nachdenken, sondern einfach körperlich wahrnehmen, was gerade da ist. Wenn wir es uns gestatten negative Gefühle bewusst wahrzunehmen und sie weder verdrängen noch uns mit ihnen identifizieren, verlieren sie ihre Macht über uns. 

Fazit

Auch in Zeiten größerer Distanz gibt es immer noch genügend Möglichkeiten, zu berühren und berührt zu werden. Wenn Du etwas für deine Gesundheit tun möchtest, achte nicht nur auf ausreichend Schlaf, Bewegung und eine gesunde Ernährung. Kümmere dich auch darum, dass du genug liebevolle Berührung bekommst!

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