Ölziehen Schritt für Schritt – alles, was du über Gandusha wissen musst!

von Jasmin Schüller

Ölziehen ist seit kurzem in aller Munde. Ob das auch wortwörtlich so ist, weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall liest man überall darüber. Ist dir bestimmt auch schon aufgefallen, oder? Ähnlich wie Kokosöl, die Allround-Wunderwaffe. Oder Kale, hinter dem sich eigentlich Grünkohl versteckt, was sich aber einfach nicht so cool anhört. Und für alle gilt: Gibt es eigentlich schon sehr sehr lange, nur hat sich lange Zeit keiner so richtig dafür interessiert. So also auch beim Ölziehen. Gandusha, wie man es in Indien nennt, ist eine ayurvedische Anwendung, die ein Teil von Dinacharya, der ayurvedischen Tagesroutine, ist.

Was genau bringt Ölziehen eigentlich?

Ich praktiziere Ölziehen nun schon seit ca. 2 Jahren (okay okay, nicht jeden einzelnen Tag, aber sehr regelmäßig). Angefangen habe ich damit, weil ich schon immer Probleme mit Mandelsteinen hatte. Und das ist ein wirklich lästiges und unangenehmes Problem. Irgendwann bin ich dann darauf gestoßen, dass Ölziehen auch hier sehr gut helfen kann. Und es ist tatsächlich viel besser geworden.

Beim Ölziehen werden die Speicheldrüsen stimuliert und durch diese Toxine und Schlacke aus dem Körper ausgeschieden. Ama”, die Schlacken, die sich im Körper in Organen, Gelenken, im Blut und der Gewebeflüssigkeit ansammeln, können durch das Ölziehen aus dem Körper entfernt werden. Zu viel Ama kann zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Glieder- oder Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen führen.

Die antibakterielle Wirkung des Öls wirkt sich auf viele Bereiche des Körpers positiv aus

Durch die antibakterielle Wirkung des Öls werden Pilze, Viren und Bakterien im Mundraum abgetötet, was die Mundhygiene erheblich verbessert: Zahnbelag wird verringert, es beugt Mundgeruch und Karies. Auch Entzündungen im Mund, z. B. Entzündungen des Zahnfleisches oder auch Aphten, können gelindert und ihr Auftreten verringert werden.

Wenn du zu unreiner Haut neigst, solltest du es ebenfalls mal mit Ölziehen versuchen. Du unterstützt so den Körper dabei, Giftstoffe loszuwerden, die er ansonsten über unser größtes Organ, die Haut, ausstößt. Und auch bei Problemen mit den Atemwegen kann Ölziehen helfen. Schnupfen, Bronchitis etc. wird durch das Ölziehen der Kampf angesagt und Verschleimungen können gelindert werden.

Und die Liste der Vorteile könnte noch fortgesetzt werden. Jetzt fragst du dich sicherlich wie es möglich ist, dass das Ölziehen so viele Vorteile mit sich bringen soll. Tatsächlich gibt es zum Ölziehen bisher noch nicht viele Studien, auf die man sich berufen kann. Eine Vermutung ist, dass durch das Ölziehen verschiedene Bereiche im Mund stimuliert werden, die dann wiederum verschiedenste Bereiche des Körpers anregen. In der ganzheitlichen Zahnkunde geht man nämlich davon aus, dass die einzelnen Zähne und verschiedene Bereiche der Zunge in direkter Beziehung zu den einzelnen Organen stehen.

Aber am besten solltest du es einfach mal selbst ausprobieren, um dich von der Wirkweise zu überzeugen.

Alles, was du über Ölziehen wissen musst!

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Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie es funktioniert:

  1. Der perfekte Zeitpunkt zum Ölziehen ist am Morgen, direkt nach dem Aufstehen. Also vollkommen nüchtern, auch noch vor dem ersten Glas Wasser.
  2. Vor dem Ölziehen solltest du deine Zunge mit einem Zungenschaber reinigen. Falls du keinen Schaber hast, kannst du auch einen Löffel benutzen. Streiche einige Male mit leichtem Druck von hinten nach vorne und reinige den Schaber/Löffel nach jedem Mal mit Wasser.
  3. Nimm einen kompletten Esslöffel voll Öl in den Mund. Am Anfang kann sich das echt unangenehm anfühlen, aber man gewöhnt sich recht schnell an das Gefühl.
  4. Beginne nun, das Öl im Mund zu bewegen. Versuche, es von Seite zu Seite zu bewegen und es auch durch die Zwischenräume der Zähne zu ziehen. Lass den Kopf dabei unbedingt gerade. Wenn du den Kopf dazu in den Nacken nimmst, läuft dir das Öl den Rachen hinunter. Das sollte unbedingt vermieden werden, da wir die Toxine ja aus dem Körper entfernen wollen. Ein Runterschlucken bzw. Runterfließen würde also genau das Gegenteil bezwecken und den Körper im schlimmsten Fall erneut vergiften.
  5. Du solltest das Öl etwa 15 Minuten im Mund bewegen. Zwischendurch kannst du es immer kurz ruhen lassen, damit es auch in die Zahnfleischtaschen sickern kann. Viele Experten empfehlen, dass man das Öl nach etwa 3-5  Minuten ausspuckt und dann mit neuem Öl weitermacht. Dadurch wird das Risiko einer “Rückvergiftung” verringert.
  6. Wenn du mit der Prozedur durch bist, solltest du das Öl ausspucken und deinen Mund mehrmals mit lauwarmem Wasser durchspülen. Umwelttipp: Bitte spucke das Öl in ein Papiertaschentuch und wirf es dann in den Restmüll. Öl sollte nie über den Abfluss entsorgt werden, da die Abwasserleitungen dadurch verkleben und verstopfen können.
  7. Als letzten Schritt kannst du dir dann wie gewohnt die Zähne putzen.

 

Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?

Das Ölziehen hat keinerlei Nebenwirkungen, achte halt nur darauf, dass du es wie oben beschrieben ausspuckst und nicht hinunterschluckst. Manche berichten von einer sogenannten “Erstverschlimmerung”, den Begriff kennst du vielleicht schon aus der Naturheilkunde. Das ist grundsätzlich nichts schlimmes sondern zeigt, dass dein Körper gegen die Symptome ankämpft und die Selbstheilungskräfte aktiviert wurden.

Bei akuten oder chronischen Beschwerden kannst du ruhig auch mehrmals am Tag Ölziehen. Dann solltest du nur darauf achten, dass du es immer vor den Mahlzeiten und mit relativ nüchternem Magen machst.

Ich nutze die Zeit des Ölziehens meist, um andere Punkt meiner Morgenroutine zu erledigen. Manchmal dusche ich währenddessen, koche meinen Frühstücksbrei oder packe schon mal meine sieben Sachen für den Tag zusammen. So vergeht die Zeit schneller und ich nutze die “Wartezeit” sinnvoll.

Welches Öl solltest du nehmen?

Grundsätzlich hat jedes pflanzliche Öl die Eigenschaft, Toxine an sich binden zu können. Traditionell wurde im Ayurveda meist Sesamöl verwendet. Auch Olivenöl und Kokosöl werden oft empfohlen. Ich selbst benutze ausschließlich Kokosöl, da ich den Geschmack am besten leiden kann. Olivenöl ist nicht mein Ding und ich konnte es einfach nicht länger im Mund behalten.

Aber egal welches Öl du nimmst: Achte beim Kauf darauf, dass du ein hochwertiges, kaltgepresstes Öl in Bio-Qualität kaufst.

Falls du auch Kokosöl verwenden solltest, hier noch ein kleiner Tipp:

Das Öl bitte immer mit einem sauberen Löffel entnehmen und die Dose/das Glas anschließend sofort wieder verschließen. Das Öl sollte nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden, sondern an einem kühlen, lichtgeschützten Platz. Es ist auch nicht schlimm, wenn es mal wärmer wird und sich verflüssigt. Nicht mehr verwenden solltest du es allerdings, wenn es offensichtlich verunreinigt wurde (z. B. sichtliche Verfärbungen). Ansonsten ist es auch geöffnet mindestens ein Jahr lang haltbar.

DISCLAIMER:

Dieser Artikel ist nicht als medizinischer Ratschlag zu verstehen. Wir berichten ausschließlich von unseren eigenen Erfahrungen und haben keine naturheilkundliche Ausbildung.

Wir durften die Öle auf dem Bild kostenfrei testen.

3 Kommentare

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3 Kommentare

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Denise 8. November 2018 - 9:47

Hi Jasmin, kurze Frage: Warum sollte das Kokosöl nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden?
Alles Liebe
Denise

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Jasmin Schüller 18. Juli 2018 - 9:47

Danke, liebe Verena! Freut mich sehr, dass er dir gefallen hat :-) Alles Liebe

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Verena 10. Juli 2018 - 9:47

Großartiger Beitrag Jasmin! Habe ich sehr gerne gelesen. Gerade bei Hautproblemen oder sogar Herpes kann Ölziehen wahre Wunder bewirken.
Ich nutze die Zeit des Ölziehens genauso wie du :)
Alles Liebe
Verena

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