Mit tierischen Freunden und Zwergen zurück zu riesiger Stärke finden

von Jennie Appel

In den letzten Jahren hat unser aller Leben total an Fahrt aufgenommen und wurde gleichzeitig immer paradoxer: viele technische Entwicklungen vereinfachen unseren Alltag immer mehr, wir können vieles sehr viel schneller erledigen bei deutlich kürzeren Kommunikationswegen und viele Dinge des täglichen Bedarfs sind mühelos und nahezu jederzeit verfügbar — und doch haben wir keinerlei Zeit gewonnen. Das Tempo hat uns mitgerissen, die vielen Möglichkeiten ließen uns FOMO (fear of missing out – Angst, etwas zu verpassen) entwickeln und die Worte Burn-Out und Stress sind irgendwie in den normalen Sprachgebrauch übergegangen. Das Tempo wurde immer schneller, bis uns dieser Corona-Virus die Vollbremsung reingehauen hat. Die widersprüchliche und überfordernde Welt betraf vor allem auch unsere
Kinder, von denen viele diese innere Unruhe schon in sehr jungen Jahren übernehmen, fahrig zwischen verschiedensten Tätigkeiten hin und her springen, sich kaum konzentrieren können und die – wie bei ihren erwachsenen Vorbildern abgeschaut – zusehends ihr Leben in eine virtuelle Welt verlagern. Nun sitzen alle zuhause, es lockert sich zwar langsam, doch noch gibt es die Chance, hier genauer hinzuschauen.

  •  Was will ich wirklich?
  • Was soll meine „Normalität“ ausmachen, wenn alles wieder möglich
    wird und die Einschränkungen aufgehoben sind?
  • Was nährt und erfüllt mich – auch (und vielleicht gerade) jetzt?
  • Was trägt, freut und hält uns als Familie?
  • Wobei kann ich tief entspannen?

Was hilft, wenn alle Struktur wegbricht?

Plötzlich gab es die gewohnte Struktur nicht mehr. Zeitpläne, (familiäre) Routineabläufe komplett durcheinander oder ersatzlos gestrichen. Trotz (teils sogar zweifachem) Homeoffice plus homeschooling lohnt es sich, wenn irgend möglich die Abläufe des Kindergartens zu übernehmen: Montag Nudeltag, Dienstag Pizza… usw. und auch die speziellen Tätigkeiten, die liebevoll von Erzieher*innen als Wochenplan zusammengestellt sind. Doch die Kinder sind nun immer zuhause und die meisten leiden darunter, keine „Kolleg*innen“ zu sehen – nämlich Gleichaltrige, Freunde, Kindergartenkumpels eben. Für die Schulkinder waren die Anforderungen in der Schule vielleicht ohnehin schon drückend und nun sollen sie sich diszipliniert motivieren. Irgendwie ist alles aus dem Gleichgewicht, spätestens jetzt, oder hat die Chance, sich ganz neu einzupendeln.

Tägliche und/oder wöchentliche Rituale bringen ein Stück Normalität zurück und verhindern oder verringern die aufkommende Nervosität und Überreiztheit, die letztlich alle im Haushalt betrifft. Wenn du hier im Happy Mind Magazine liest, wird Meditation und Achtsamkeit dir nicht fremd sein. Vielleicht spürst du gerade jetzt ganz deutlich, wie sehr diese regelmäßige Praxis Substanz in dir aufgebaut hat und dich auch in stürmischen Zeiten trägt? Oder erkennst jetzt, wie sinnvoll diese Art der Selbstfürsorge und spirituellen Praxis ist? Auch für die Kinder können solche Ruhepausen einen Anker im Alltag darstellen. Dies kann eine sehr kurze stille Meditation sein oder ein Lauschen
auf den Ton der Klangschale, bis dieser unhörbar geworden ist. Allein das bringt sie spielerisch in eine Achtsamkeit und gleichzeitig freudvolle Konzentration. Auch gemeinsam den wandernden Wolken zuzusehen und sich zu berichten, welche Wesen man darin erkennen kann, lässt den Freigeist ist euch wieder hervorkommen.

Mein Mann und ich haben in den letzten Wochen so viele emails bekommen, in denen sich Familien für unser Buch bedankt haben, weil es die Tochter oder den Sohn gerade so sehr durch diese schwierige Zeit trägt. Auch Lehrer*innen, Familientherapeut*innen und Erzieher*innen schrieben uns an, ob sie die Erlaubnis bekämen, es ihren Schüler*innen in Zoom vorzulesen oder Videos mit den Geschichten zu erstellen. Diese vielen Zuschriften haben uns mit ganz viel Hoffnung erfüllt!

Wir hatten plötzlich ganz deutlich vor Augen, dass bei aller Genervtheit vom homeschooling, allen Sorgen um den
Arbeitsplatz, allen sonstigen auftretenden Schwierigkeiten, so viele Familien nun enger zusammenrückten und Kraft aus Meditation und Fantasiereise zogen. Gemeinsam auf Reisen gingen und diese danach malten, nachspielten
oder sich über das Erlebte austauschten.

Mit tierischen Freunden und Zwergen zurück zu riesiger Stärke finden

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Heilsamer Ausgleich durch geführte Meditation

Eine wirklich kindgerechte Form der Meditation kann hier einen heilsamen Ausgleich schaffen, denn sie führt Kinder zu ihrer ganz natürlichen Achtsamkeit zurück. Wenn Kinder mit Freude spielen oder basteln, sind sie meist völlig fokussiert und in ihrem Tun gegenwärtig — sie sind komplett im Flow. Sie erschaffen sich mit Kuscheltieren oder Plastiktieren eine komplette Welt, in der alles Platz hat, selbst die Schlümpfe im Piratenschiff. Wenn sie sich verkleiden oder etwas bauen, gehen sie so sehr in ihrer Fantasie auf, werden regelrecht zu genau der Welt, die sie sich vorstellen. Und sie sind
genau in diesem Moment. Im Hier und Jetzt einer selbstgeschaffenen
Realität.

Als Erwachsene können wir unsere inneren Kinder an die Hand nehmen und
uns dazu gesellen. Wenn wir gemeinsam in ein Abenteuer eintauchen, bei dem wir die wunderbarsten Wesen treffen, mit ihnen sprechen, spielen, von ihnen Geheimnisse erfahren und mit ihnen Abenteuer durchstehen, so entdecken wir dabei auch die eigene Kraft. Diese kreative Urkraft, die in uns allen angelegt ist und die so einzigartig, wertvoll und hilfreich ist, weil sie uns auch im größten Chaos Lösungen finden lässt. Unser super-kreativer Chaos-Muskel wird spielerisch gestärkt und zugleich erleben wir eine Ruhepause für den Geist, einen Ankerpunkt im Alltag und lassen Stress hinter uns. Dieser
Ausgleich ist vielen (inneren) Kindern sehr willkommen.

Kannst du dich noch erinnern, wie du im Wald nach Zwergen oder Elfen Ausschau gehalten hast, mittags einen Drachen besiegtest oder auf seinem Rücken mit ihm als Verbündeten gegen das Böse kämpftest? Wie du auf den Wolken schweben konntest, Feen dich das Zaubern lehrten oder dir Wünsche erfüllten, dir wir an ganz geheimnisvollen Orten treffen konnten, die nur wir betreten durften? Vielleicht ist es den Versuch wert, all diesen zauberhaften sprechenden Tieren und Fabelwesen unser Herz auszuschütten, wenn uns etwas bedrückt oder einfach mit ihnen Abenteuer zu erleben.

Gerade Kinder können auf inneren Reisen und in geführten Meditationen ihre Sorgen zeigen, die sie gar nicht so richtig in Worte fassen können. Es baut eine hilfreiche Brücke, auf der es kein Benennen braucht und so agiert es sich
innerlich aus und entspannt letztlich den Körper, weil alles sich zeigen und voll da sein durfte (jedoch nicht erklärt werden musste).

Archetypische Qualitäten nutzen

Spielerische Erfahrungen wie diese, haben uns als Kinder geprägt, und können sowohl heute unseren Kindern vermittelt werden, als auch uns selbst wieder einen Hauch dieses Gefühls schenken, allzeit geschützt und behütet
zu sein. Dabei geht es nicht um eine Flucht in andere Welten! Sondern ein bewusstes Verbinden mit einem Tier oder Fabelwesen und dessen archetypischen Qualitäten, die in solchen geführten Meditationen geschaffen
werden. An diesen Archetypus anzudocken und mit ihm Freundschaft zu schließen, schenkt Kindern Vertrauen – in ihre eigene Stärke, in ihren eigenen Wert und auch in die Überzeugung, dass die Welt ein freundlicher Ort ist, an
dem sie von Herzen willkommen sind. So wird auch ihre Einzigartigkeit liebevoll umarmt und bedingungslos angenommen, während sie behutsam in ihr Inneres geführt werden, wo sie in Ruhe Kraft tanken und sich in den in
ihnen auftauchenden Bildern zuhause fühlen können.

Wenn ihr Lust habt, dies einfach mal gemeinsam auszuprobieren, so findet ihr hier eine unserer Reisen zum gemeinsamen Anhören.
Wir empfehlen euch, danach einfach jede*r ein Bild des tollsten Moments zu malen und einander danach zu zeigen, wie eine Art Postkarte von dieser Reise oder ein Foto dieses Moments. Oft entstehen hier nochmal wertvolle Austausch-Qualitätszeiten, die man in dieser Form sonst nicht hätte. Wir alle tragen vielfältige archetypische Energien in uns und nutzen selten das volle Potenzial dessen, teilweise erahnen wir es nicht einmal. Doch in uns allen wohnt eine immense kreative Fülle und Kraft.

Zuhause im Großen Kreis der Welt

Meditation ist nicht das Allheilmittel und diese kindgerechte Form der Fantasiereise ist zu einer Gehmeditation oder dem Sitzen in Stille natürlich noch einmal sehr verschieden, ganz zu schweigen von all den anderen Formen und Varianten, die es so gibt. Doch Meditation kann eine Grundlage für heilsames Handeln schaffen, denn Menschen, die sich angenommen und ganz in unserer Welt geborgen empfinden, müssen nicht versuchen einen inneren Mangel mit sinnlosem Konsum oder Workaholic-Tum und ähnlichem zu stopfen.

Wer sich selbst annehmen kann, wie er ist, kann vermutlich auch andere annehmen und ihnen ihr Recht auf Selbstentfaltung und ein würdevolles Leben zugestehen. Schon ziehen diese inneren Wandlungen ihre Kreise und bringen auch Wandel in die Welt. Unsere Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen und damit auch
die künftigen Entscheidungsträger. Wir können ihnen jetzt ein Gefühl für die Verbindung von allem Lebendigen mitgeben und letztlich auch für den undiskutierbaren Wert, den jedes einzelne Leben hat, ganz gleich, ob dieses
Leben zu unserer Spezies gehört oder zu einer völlig anderen.

Wir können ihre Begleiter*innen sein und uns ganz nebenbei auch selbst für kurze Zeit in diese Welten hineinsinken lassen, uns Mußezeit zugestehen und ein Abenteuer erleben, das der Alltag so vermutlich nicht hergibt.
Ich habe vorhin geschrieben, dass wir Hoffnung verspürten und genau das ist der Grund. Nicht nur, dass Familien enger zusammenrücken, sondern, dass Kinder, die sich derart eingebettet fühlen in die großen Zusammenhänge
unserer Welt, auch als Erwachsene einen Sinn dafür haben werden. Sie werden sich erinnern und in allem, was lebt, ihre nahen und fernen Verwandten sehen können, und sowohl sich selbst als auch alle anderen
Wesen wertschätzen, in all ihrer bunten Vielfalt.

Falls ihr Lust bekommen habt, das alles gemeinsam auszuprobieren, selbst vorzulesen und tief einzutauchen, findet ihr in unserem Buch „Zauberwald & Zwergenkraft“ eine Fülle von Reisen zu unterschiedlichsten Themen. Unser neues Buch „Bärenstark & falkenfrei“ spielt komplett im heimischen Wald und Feld, setzt einen Fokus auf Naturverbundenheit und Abenteuer und fügt viele weitere Urkräfte hinzu. Es kann jetzt hier vorbestellt werden und erscheint Ende Mai.

Besonders schön ist es, wenn du dir selbst Geschichten ausdenkst oder dies deinen Kindern überlässt und dich ebenfalls von ihnen in andere Welten entführen lässt. Diese Corona-Zeit lehrt uns alle wieder Hingabe an den Moment, an den individuellen Prozess und unsere ureigenen Werte. Mit all diesen Zeilen wünsche ich dir von Herzen, dass du ab und an gemeinsam mit deinem inneren Kind ausbrechen kannst, in innere Welten, deinen kreativen Freigeist, Muße-Zeiten, wundersamen Alltagszauber und so vieles mehr…

Bleib gesund und fröhlich!

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