Yay oder Nay? Ego Yoga auf Instagram, Facebook & Co.

von Christina Waschkies

Unterarmstand vor dem Eiffelturm. Beach-Handstand auf Maui. Ein großes Rad aus dem Kaltstart auf einer Mauer im East Village in New York.

Wer den Superyogis auf Kanälen wie Instagram, Pinterest und Facebook folgt, kommt zunächst in einen Zustand der Verzückung angesichts der lässigen Verrenkungen wunderschöner Körper vor stilvollen Hintergründen.

 

Die Message ist klar

Yoga macht dich sexy, fit und glücklich. Das willst du auch. Aber solange du nicht jeden Tag mehrere Stunden Ashtanga in deiner Shala praktizierst oder eine Karriere als GoGo-Tänzerin hinter dir hast, ist es ein weiter Weg, bis du dich ohne Aufwärmen in die wildesten Yogaposen heben kannst. Die Frage ist, ob du dies überhaupt tun solltest.

Achtsamkeit im Yoga

In nahezu jedem Yogastudio wird eine liebevolle Praxis gepredigt. Wir sollen das Ego herausnehmen. Uns nicht an anderen orientieren. Mit unserer Aufmerksamkeit auf der eigenen Matte bleiben. Dies war für mich ein wichtiger Grund, Yoga immer weiter zu praktizieren: Hier darf ich mein eigener Maßstab sein. Ohne, wie früher beim Leichtathletik-Training, ständig mit Stoppuhr gemessen, mit anderen verglichen und verbal gepusht zu werden. Achtsamkeit und ein liebevoller Umgang mit den eigenen Möglichkeiten tut nun mal sehr gut und mit diesem Gefühl bin ich aller Voraussicht nach nicht allein.

Ego Yoga oder Dharma?

Was hat es nun auf sich mit diesen Selbstportraits auf Instagram, Facebook und Co.? Geht es hier um die Verteilung von Yogi-Dharma (Lebenssinn) oder reinem Ego? Und ist es ein verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Popularität und der Lehre des Yoga?

Keine Frage: Wir alle mögen Fotos von uns beim Yoga. Wenn die Leggings sitzt, die Pose stimmt und der Gesichtsausdruck den Rest übernimmt, dann laden wir das Foto in freudiger Erwartung in unsere Facebook Timeline und warten auf die „Likes“.

Bleib auf deiner Matte

Vielleicht kitzeln diese Fotos dein Ego ein wenig. Vielleicht geben sie dir den Antrieb, noch mehr zu üben oder dich endlich mal an das Projekt Handstand zu wagen. Vielleicht fluchst du innerlich kurz über die wohlgeformten Yoga-Hasen, die meinen dir ständig einen vorturnen zu müssen. Mein Fazit: Versuch, es ganz „yogisch“ zu sehen. Egal, welche Reaktion es in dir auslöst – wenn es dich dahin bringt, dich noch mehr auf deine eigene Praxis zu fokussieren, dann hat es seinen Sinn ja schon erfüllt. Oder?

Der Text ist im Original im Yoga Deutschland Magazin erschienen

1 Kommentar

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1 Kommentar

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Natascha 3. November 2015 - 9:47

Oh, das ist ein schönes Thema für einen Artikel. Bei mir hat sich das Ganze durch eine starke Gewichtszunahme verändert. Früher habe ich auch Fotos von mir im Kopfstand gepostet. Ich hab mich total über meine Entwicklung, Stärke und auch über Yoga an sich gefreut. Jetzt kann ich keinen Kopfstand mehr und die Fotos der schlanken Ladies in den fordernden asanas stechen mir immer kurz ins Herz. Aber dann bin ich glücklich, weil ich glücklich bin. Und dankbar. Trotzdem würde ich mich auch wieder ein Kopfstand Foto machen ?

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