Der Zeitpunkt ist immer jetzt

von Anna Maria Walcher

Es sind oft nur zehn Minuten am Tag. Ein tiefer Atemzug. Ein bewusstes Schließen der Augen. Und die Welt scheint danach wie ausgewechselt. Vor allem die Welt in dir. Meditation verändert, wirkt und zeigt auf was möglich ist.

Das Ding mit dem Sitzen

Ich bin bestimmt keine Meisterin im Meditieren. Bei Weitem nicht. Und regelmäßige Praxis – Pustekuchen. Das Bewusstsein, dass es gut wäre. Ja das ist definitiv ein Thema. Als Yogalehrerin streift man das Gebiet der Meditation. Die Formulierung „streifen“ ist mit Absicht gewählt. Es ist zwar ein Teil der Ausbildung, jedoch wird der Schwerpunkt bei den meisten Richtungen mehr auf die Bewegung als auf die Stille gelegt. Die Eigenpraxis ist oft der Anfang einer wunderbaren Erfahrung.

Mit der Zeit musste ich feststellen, dass dieses Ding mit dem Sitzen unglaublich anstrengend ist und sich oft gar nicht in meinem Alltag integrieren lässt. Du suchst dir einen Platz, der ruhig ist, aufgeräumt, warm und nicht zu kalt, den keine Familienmitglieder kreuzen müssen. Das Kissen groß, klein, rund oder lieber eine Decke. Soll die Matte daneben liegen oder darunter. Davor bewegen, danach oder überhaupt. Das würde dann wieder mehr Zeit in Anspruch nehmen. So wie dieses und jenes…. Und so beginnt die Spirale und man kommt wieder nicht zum Sitzen.

Die Frage nach dem wann

Der Zeitpunkt ist immer jetzt. Und zwar genau dann, wenn man glaubt keine Ruhe zu finden. Genau der Moment, in dem man das Gefühl hat, die Luft zerdrückt den Brustkorb, der Kopf explodiert und die Atmung hetzt. Ab da wäre es gut sich auszukoppeln. Ich bin mir sicher – irgendeine Region in deinem Körper gibt dir bereits hinweise, die du hören, sehen oder spüren willst und kannst!

Bei mir sind es die Gedanken. Beim ersten Mal wird die Idee noch beiseite gewischt. Ein zweites Mal lässt mich schon genauer hinhören und überlegen, ob ich mich nicht doch schnell hinsetzen soll. Die dritte Alarmierung bedeutet für mich: jetzt. Für mich persönlich bedeutet das – aufrecht hinstellen, Füße hüftbreit, Beine gerade, Becken ausrichten, Brustkorb hoch, untere Rippen rein, Schultern zurück und Kopf gerade. Augen schließen oder etwas fokussieren.

Meditation

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Die Frage nach dem wie

Ein aufrechter Stand, wie oben beschrieben, ist der Anfang des Wunders und die Atmung der Schlüssel.
Während des bewussten Einatmens stelle ich mir in meinen Körper drei Kammern vor: Bauch, Brust und Schultern. Ich schließe die Augen und beginne mit der Einatmung und in Gedanken füllt sich der erste Bereich. Atme bis in das Becken ein: hinterer Rücken, Bauchraum, Bauchdecke. In den Brustkorb einatmen: Wirbelsäule, Brustraum, Rippen. Weiter hoch: Schulterblätter, Brust, Schlüsselbeine.

Der Clou ist – falls nun das Hirn weiterhin munter vor sich hinplappert, dann beschäftige deinen inneren Affen. Gib ihm etwas, was er gerne mag oder ihn ablenkt. Das bedeutet, wenn der Kopf zu sehr am Rattern ist, wird der Geist noch zusätzlich umgelenkt, wie zum Beispiel mit Musik, Farben, Gegenstände, Gerüche, Wörter, Zahlen. So kannst du die Kammern, die du mit Sauerstoff füllst, zusätzlich mit einem schönen Ton anreichern, in Farbe tauchen, eine Zahl oder ein Wort erscheint.

Aller Anfang ist schwer

Und doch so leicht. Bereits das bewusste Ein- und Ausatmen beruhigt und lässt dich in eine angenehme Haltung kommen. Du kannst deine wilden Pferde zügeln und langsam wieder deine Schritte gehen. Für mich ist dieser Prozess schon der Anfang für Meditation und das stärkste Argument.

Denn: Wenn man bedenkt, dass ein einziger Atemzug, deinen Geist beruhigen kann, dich wieder in die Bahn lenkt, du wieder klar denken kannst, Mut findest oder deine Emotion spüren kannst, dann überlege was es bedeuten kann dieses bewusste Atmen auf längere Zeit auszudehnen. Und in Folge von der Konzentration auf die Atmung, in diese Ruhe und Stille einzutauchen und mit dieser den Raum in dir zu füllen, um dabei immer ruhiger und zufriedener zu werden.

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