Bye, Bye Bali: Teacher Training auf Bali (3)

von Britta Zietemann

Habt ihr Teil 1 und Teil 2 des Teacher Training Tagebuchs schon gelesen?

Hier kommt der langersehnte Teil 3:

Nach etwa zwei Wochen Meditation, eigener Yogapraxis, Theorieunterricht in Philosophie, Geschichte und Anatomie und praktischen Übungen zu Hilfestellungen gibt es dann die wirklich große Aufgabe für alle: Jeder muss zwei volle Yogastunden planen, jeweils 75 Minuten. Und diese natürlich auch unterrichten. Ich kriege langsam Sorge, bekomme ich alle Anweisungen auf Englisch hin, denke ich, und fühle dann noch mehr mit Ana, der Andorrerin ohne Englischkenntnisse. Wir werden in Fünfergruppen aufgeteilt, jeden Tag unterrichten zwei aus der Gruppe. Danach, wenn alle durch sind, werden die Gruppen neu zusammengemischt. Jeder wird jeweils einmal von Vidya und Alicia und einmal von Jennilee geprüft. Gulp.

Prüfungssituationen sind immer schwierig, ich bin auch ganz schon aufgeregt, aber einigen verschlägt es tatsächlich die Sprache. Anas Englisch ist zu schlecht, sie muss die Stunde auf Spanisch wiederholen. Gott-sei-Dank finden sich sprachgewandte Yogis unter uns, so dass das kein Problem ist. Chelsea, eine Amerikanerin, die sich auf traumatisierte Kriegsveteranen spezialisieren möchte und selbst gerade ihren Bruder verloren hat, hat einen Blackout und geht sehr hart mit sich ins Gericht. Die Stunde einer liebenswerten Hippie-Australierin, die laut eigenen Aussagen schwer depressiv war, fällt leider auch durch. Doch jeder bekommt eine zweite Chance, und beim zweiten Durchlauf sind alle die, die beim ersten Mal zu aufgeregt waren, deutlich besser und bestehen.

Ich probe meine Stunde am Nachmittag zuvor und nehme sie auf, um mir das Video noch mal anzugucken, mache mir auch viele Gedanken. Dann aber habe ich vier meiner Mityoginis vor mir – drei davon extrem trainiert – und irgendwie läuft´s, ich komme rein, fühle mich mit meiner Sequenz sicher, und merke kaum, dass Jennilee irgendwann hinter mir sitzt und mich genau beäugt. Ich assistiere, gebe anscheinende recht intensive, dadurch aber auch effektive Hilfestellungen, und gehe auf jeden sehr individuell ein. Dafür ist mein Chaturanga manchmal dahingemogelt und die vielen “äh”s könnte ich auch mal weglassen.

Die Stunde ist vorbei und ich merke: Irgendwie hat es mir Spass gebracht. Beschwingt gehen wir zum Essen, einem täglich wechselnden, super leckeren Buffet. Unsere Teller sind wie immer vollgeladen, und das nicht nur mit Salat (den haben wir im Verdacht als Übeltäter für den Bali Belly…). Trotz der opulenten Mahlzeiten merkt man, wie jeder irgendwie definierter wird. Nach bis zu fünf Stunden Yoga täglich allerdings auch gar nicht so verwunderlich.

Bye, bye Bali!

 

Die letzte Woche ist angebrochen, wir haben unsere zwei Yogastunden gegeben, und einige sind wirklich richtige Yogalehrertalente. Für alle anderen gilt: Übung macht den Meister.

Es steht das erste Lebewohl an: Jennilee muss zurück, also schreiben wir erst einmal einen Anatomietest (erstaunlich, wie sich einige ihrer Ausdrücke fest in mein Gehirn gebrannt haben – ich werde nie vergessen, was synovial fluid macht und welche Arten von Gelenken es zu welchem Zweck gibt). Danach gibt es mit unserer Lieblingslehrerin einen Abschiedstanz – bei dem sehr viele sehr emotional werden. Irgendwie ist nun die Spannung raus. Die größten Hürden sind geschafft, jeder ist stolz auf sich, dass sein Körper bislang mehr oder weniger durchgehalten hat.

Der ein oder andere wird auch in der Stadt mit einem Bier gesehen, und ich stoße bei einem abendlichen Ausflug mit meinem Freund auf die lustige Kanadierin Jenny, wie sie grad aus einem für gute Burger bekannten “Warung” (indonesisches Restaurant) heraus stolpert. Schön unyogisch, aber absolut menschlich.

Ein Test steht noch an über Geschichte und Philosophie sowie ein paar Sanskrit-Quizzes. Die bekommen auch alle irgendwie hin, und so vermischt sich am letzten Abend das Gefühl der Freude, bald ein Zertifikat als Yogalehrer in den Händen zu halten, mit Bedauern, dass nun schon alles vorbei ist. Es war schon eine sehr intensive Zeit, in der einige sehr emotional wurden, sehr viel an Fremde preis gegeben haben.

An jenem letzten Abend gehen wir alle zusammen – endlich mal nicht in Leggings und Tops – ins bekannte Jazzcafé in Ubud und dürfen offiziell einen Drink nehmen. Alle erscheinen dann aber am nächsten Morgen tatsächlich frisch und fröhlich zur letzten gemeinsamen Yogapraxis, gehen das letzte Mal den Weg durch den Dschungel über die baufällige Brücke, an den Reisfeldern vorbei zu unserer Yoga-Shala. Das Om-Zeichen, das ein Balinese netterweise anfangs aus Blüten gelegt hat, ist verblüht. Nun heißt es loslassen, ja auch ein zentrales Thema beim Yoga, und annehmen: Diesmal unser Zertifikat der Yoga Alliance UK.

Ob ich bei meinem Ananda-Kosha angelangt bin? Ich weiß es nicht. Aber ich muss gestehen, dass ich mich lange nicht mehr so wohl in meinem Körper und meinem Geist gefühlt habe. Vielleicht ist das ja schon ein kleiner Ausschnitt der “Glückseligkeit”?

6 Kommentare

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6 Kommentare

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Katha 29. Juli 2017 - 9:47

Hallo!
Guter Bericht! Ich habe mein YTT in Indien gemacht. Hier nachzulesen: http://wampediboo.com/yoga-in-indien-teil-2-marihuana-lenkt-ab/

Ich wollte ebenfalls fragen, wo du die Ausbildung gemacht hast?

Liebe Grüße,
Katha

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Tobias 25. November 2014 - 9:47

Ein schöner Bericht! Danke!
Ich will auch!

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Susanne 27. Februar 2014 - 9:47

Wie cool deinen Bericht zu lesen, vielen Dank! Ich hab auch gerade ein Yoga Teacher Training auf Bali gemacht und es hört sich sehr ähnlich an. Auf jeden Fall eine intensive Erfahrung! Vielleicht erkennst du ja in meinem Bericht einiges wieder? http://yowunga.wordpress.com/2014/02/22/5-things-i-learned-at-yoga-teacher-training/

Liebe Grüße Susanne

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Britta 18. Februar 2014 - 9:47

Hallo Vanessa,
wenn du magst, dann schick mir doch eine persönliche Nachricht unter bz5000@gmx.de. Dann erzähl ich dir etwas mehr;)
Namaste,
Britta

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Vanessa Stilp 27. Januar 2014 - 9:47

Liebe Britta, besten Dank für deinen schönen Bericht. Ich hab ihn mit Freude gelesen. Ich habe auch eine geraume Zeit in Bali verbracht, aber zum Surfen. Jetzt plane ich meine 300-Stunden-Aufbau Ausbildung dort zu machen. Über welche Schule lief deine Ausbildung?
Om Shanti
Vanessa

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dorit 22. Januar 2014 - 9:47

danke für deinen ausführlichen bericht, britta! ich buch schon mal ne stunde bei dir :)

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