7 Dinge, die dein Kind immer von dir braucht (egal wie alt)

von Christina Waschkies

Ich komme nicht aus einer tarotkartenlegenden, hübsch durchreflektierten Familie. Ich entstamme einer, ich möchte sagen, disfunktionalen Akademikerfamilie mit guten Intentionen und erstaunlichen Wegen, diese guten Intentionen umzusetzen. Bei uns wurde immer gemauschelt, verdeckt und verschwiegen. Gedeckelt, umgangen und ignoriert. “Notlügen” waren an der Tagesordnung, und zwar solche, die andere Leute nicht verletzen sollten. Egal, Lüge bleibt Lüge und wenn es irgendwie rauskommt, wird es für den Lügner höchst peinlich. Meine Familienmitglieder haben typische gesellschaftlich akzeptierte Suchtprobleme (Zucker, Alkohol), wurden als Kinder von ihren eigenen Müttern für längere Zeit zur Tante abgesandt (Bindungsstörung) und vom Papa gelegentlich per Hand gemaßregelt, und verhalten sich selbst gern höchst passiv-aggressiv. Keiner hat sich je der Herausforderung gestellt, dies mit einer Therapie wieder zurechtzurücken.

Kurzum: Meine eigene Kindheit war ein riesengroßer Schlamassel, der mir von innen heraus gar nicht so doof vorkam

Meine Mama war immer lieb zu mir, hat mit mir tolle Sachen unternommen und gebastelt, bis der Prittstift rauchte. Mein Papa war immer lustig (vor allem nach ein, zwei alkoholischen Getränken), hat mit mir wilde Reisen gemacht, und mir durch seinen sozialen Status tolle Dinge ermöglicht: Ich durfte mit 15 alleine für 4 Wochen zu einer Freundin nach LA reisen, mit 16 in voller Montur zum Snowboarden nach Norditalien und mit 17 auf Interrail. Es hat mir finanziell und materiell an nichts gefehlt. Trotzdem blieb da immer dieses Gefühl von “Irgendwas stimmt hier nicht.” Es fühlte sich alles nicht richtig an. Es war nie ganz rund und das Gefühl war so diffus, aber trotzdem immer da. Etwas fehlte.

Jetzt wo ich selber Mama bin und tagtäglich mit diesen prima antrainierten Verhaltensweisen neu umgehen möchte, sie ablege und mir neue Umgangsweisen schaffe, muss ich mir immer wieder einen guten Fahrplan zurechtlegen. Und ich habe mir ein Manifest erstellt, nach dem ich versuche mit Dora umzugehen.

Liebe allein reicht nicht, um Kinder gut ins Leben zu begleiten #erziehung #achtsamkeit

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Hier kommen die 7 Dinge, die ich meinem Kind immer geben will:

  • Ehrlichkeit – Absolute oberste Priorität: Nicht lügen, klar. Das sollte eh standard sein. Aber eben auch nicht flunkern. Und auch nicht “so tun”. Niemals. Ehrlich sein. Immer. Mein Kind merkt es, wenn ich gute Laune mime und eigentlich total genervt bin. Sie merkt es, wenn ich keine Lust habe zum Lesen und es nur halbherzig tue. Und wenn ich wahnsinnig gut gelaunt bin, dann weiß sie es auch. Also hilft es mir, wenn ich ihr ganz ehrlich sage, wie ich mich fühle. “Dora, ich bin gerade angestrengt, aber das hat nichts mit dir zu tun. Du bist prima.”
  • Hingabe – Mein Kind verdient es, dass ich mich ihm jeden Tag hingebe. Dass ich mein Smartphone für zur Seite lege, klaro, und meinem Kind echte Spielzeit widme und ihm Aufmerksamkeit schenke. Richtig einlassen eben. Wild sein, albern sein, ein Buch in aller Gemütlichkeit noch mal und noch mal und noch mal zu lesen. Und dann ist es auch okay, wenn man sich mal für 5 Minuten in die schöne Pinterest-Welt zurückzieht, während man den Buggy durch den Park schiebt und das Kind eh mit Hunde entdecken und glotzen beschäftigt ist.
  • Anerkennung – Mein Kind ist eine eigenständige Person. Sie will Dinge, die ich nicht will. Sie mag Dinge, die mir komplett missfallen. Sie ist nicht dazu da, um mich glücklich zu machen, oder Dinge zu tun, die ich gerne getan hätte oder tun würde oder gerne tue. Ich erkenne an, dass sie ein völlig eigener Mensch ist und ich sie auf ihrer Reise ein Stück weit begleitend darf. Das ist manchmal schwierig, wenn Situationen nicht so ablaufen, wie man selber es geplant hat. Aber ich muss es mir immer wieder in den Kopf rufen:

 

Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen.

 

  • Achtsamkeit – Je früher mein Kind lernt, achtsam zu sein, desto eher wird es in eine Selbstverständlichkeit übergehen. Ich liege abends gerne mit meiner kleinen Dora, derzeit 15 Monate alt, kuschelnd im Bett und reflektiere mit ihr noch einmal den Tag. Ich erzähle in einfacher Sprache noch einmal, was passiert ist. Die schönen Dinge, die sie vielleicht zum ersten Mal gesehen hat. Die Dinge, die ihr Angst gemacht haben, wie ein stürmischer Hund oder eine Motorsäge. Wenn ihre Sprache sich mehr entwickelt hat, dann werden wir zusammen Achtsamkeit und Dankbarkeit üben. Abends drei Dinge benennen, die uns heute gut gefallen haben, nicht gut gefallen haben, und eine Sache, für die wir riesig dankbar sind. Ich freue mich darauf, das mit ihr üben zu können und ihr dieses wunderbare Tool schon früh mitzugeben.
  • Selbstliebe – Mein Kind spiegelt mich. Komplett. Das heißt, geht es mir nicht gut, geht es meinem Kind auch nicht gut. Es ist nicht nur eine weitere Aufgabe auf meiner To-Do-List. Es ist meine verdammte Pflicht, es mir gut gehen zu lassen. Gut für mich zu sorgen. Meine Asana Praxis zu machen, meine Meditation und mich gut zu ernähren. Denn so wird es auch mein Kind von mir lernen.
  • Loslassen – Oh je, fällt das schwer. Loslassen. Immer und immer und immer wieder. Mein Kind hat es verdient, dass es in die Welt hinaus gehen darf. Und zwar ohne schlechtes Gewissen. Ohne die Angst, eine traurige Mama zurück zu lassen. Wenn sie irgendwann nach Australien reisen möchte, dann drücke ich ihr nicht ein wöchentliches Telefonat auf. Dann warte ich geduldig ab, bis mein Kind sich von sich aus meldet und beschäftige mich bis dahin mit tollen Erwachsenendingen wie Yoga und Meditation und Büchern.  Und auch jetzt, im kleineren Rahmen, möchte ich dass sie mit Freude hinausgeht in ihr Leben. Ab September geht Dora zu einer Tagesmutter und ich habe total ambivalente Gefühle. Unsere erste Trennung nach 1,5 Jahren täglichen Zusammenseins. Sie fehlt mir jetzt schon! Andererseits ist da natürlich auch Freude auf Me-Time. Ungestört arbeiten und dem kreativen Flow freien Lauf lassen. Hach ja. Es hat doch irgendwie immer alles zwei Seiten. Auf jeden Fall unterstütze ich sie in ihrer eigenen Entscheidung, wie es ihr dort gefällt. Sollte es ihr nicht gefallen, dann bleibt sie eben noch zu Hause. Sollte sie sich sehr wohl fühlen, dann lasse ich sie in Liebe gehen. Sie darf das selbst entscheiden, denn sogar mit 15 Monaten spreche ich ihr die Kompetenz nicht ab. Und damit kommen wir zu dem letzten Punkt:
  • Einlassen – wieviel kann ich als Mama aushalten, wenn mein Kind jeden Stein auf dem Weg umdreht und ableckt und in jede Pfütze springt? Wie sehr schaffe ich es, mich einzulassen, wenn sie unbedingt selbst mit dem Löffel essen will und sich, mich und die Wohnung dabei komplett einsaut? Der erste Impuls ist immer erst mal, es zu unterbinden. Weil es lange dauert, weil es Arbeit macht oder schlichtweg nervt, das Kind 3 mal am Tag umzuziehen. Aber damit nehme ich ihr den Mut und die Freude daran, Neues zu lernen. Es wäre quasi so, als würde ein Schulkind darum bitten, Astrophysik lernen zu dürfen. Da würde man ja auch nicht nein sagen. Sie fragt eben nur auf einem anderen Level – dem eines Kleinkindes. Und einen Löffel in den Mund zu navigieren ist eben ihre Astrophysik. Und so reiße ich mich eben zusammen und lasse sie machen. Soweit ich das eben aushalten kann. :)

Wie ist es bei dir? Was sind deine Erziehungs Beziehungsgrundsätze? Habe ich irgendwas vergessen? Ich freue mich auf einen Kommentar von dir. Folge auch gern meiner Pinnwand “Mindful Mamas” auf Pinterest für weitere achtsame Parenting Tipps. 

Foto: Sina Niemeyer

8 Kommentare

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8 Kommentare

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Cherryblossom 9. Oktober 2017 - 9:47

Vielen Dank für die Denkanstöße und Tips. Mein Kleiner ist grad 13 Monate alt. Im Moment ist er grad dabei die Welt zu entdecken und kann mit Büchern oder länger der Mama zu hören noch nicht so viel anfangen. Aber ich freue mich drauf ihm Achtsamkeit, Selbstliebe und noch vielen andere tolle Dinge beizubringen.
Für mich ist das wichtigste, mich selber gut zu reflektieren und ihm jeden Tag das Gefühl zu geben, dass er von uns wahnsinnig geliebt wird und er sich ausprobieren kann. Ich möchte ihm einen sicheren Hafen bieten und hoffe, dass er später zu mir kommt und sich mir anvertraut.

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Christina Waschkies 10. Oktober 2017 - 9:47

Das stimmt! Seelenpflege und Selbstliebe zu üben ist echt eine der obersten Prioritäten. Ich finde es sehr schön, dass so viele Mamas sich mit dem Thema auseinandersetzen. :)

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Natalie Mühlen 9. Oktober 2017 - 9:47

Eine tolle Liste! Vor allem den Satz “Ein Kind ist nicht dafür da, um mich glücklich zu machen”, finde ich so wichtig!
Einen Punkt hätte ich noch als Ergänzung: Zuverlässigkeit. Kinder müssen sich auf uns verlassen können und unseren Aussagen vertrauen können. Wenn wir öfter etwas sagen und uns dann daran nicht halten, fehlt ihnen ein wichtiger Halt. Das gilt sowohl für Positives, als auch vermeintlich negative Dinge.

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Christina Waschkies 10. Oktober 2017 - 9:47

Eine sehr wertvolle Anregung, liebe Natalie. Danke dir vielmals <3

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Simone 8. Oktober 2017 - 9:47

Liebe Christina, ich selbst bin keine Mama… aber Tante, Patentante, Freundin von Müttern usw.
Und ich wünschte, wir würden uns Deine Liste zu Herzen nehmen. Ich werde beim nächsten Besuch auf jeden Fall daran denken und DANKE Dir von Herzen für diesen inspirierenden Artikel!!!
Herzliche Grüße aus dem Deister

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Christina Waschkies 10. Oktober 2017 - 9:47

Liebe Simone, ich freu mich sehr wenn dich mein Text inspiriert hat. Viele liebe Grüße von “um die Ecke”, Christina

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Laura Malina 2. Oktober 2017 - 9:47

Eine wirklich sehr schöne Liste! Ich versuche das auch zu praktizieren – meine ältere Tochter ist bald 4 und hat so einen Dickkopf. Manchmal macht es mich traurig, wenn sie sich so sehr gegen mich durchsetzen will. Deshalb hat mir dein Punkt über “Anerkennung” gerade echt die Augen nochmal geöffnet. Zwar wusste ich das schon vorher, aber in diesem Zusammenhang mit dem “warum “hört” sie denn gar nicht”, ist mir das nochmal bewusst geworden! DANKE also dafür :) Alles Liebe!

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Christina Waschkies 10. Oktober 2017 - 9:47

Hi liebe Laura, irgendwie ist mir dein Kommentar durchgerutscht :/ Entschuldige! Ich muss mir diese Liste auch täglich in den Kopf rufen, so oft verfalle ich in ein Muster von Genervtsein oder es persönlich nehmen. Ist glaub ich ganz normal. Mama sein ist wohl eine Fortbildung, die nie aufhört. O_O :D

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